Shawn Michaels über die verlorenen Jahre seiner Karriere

Shawn Michaels über die verlorenen Jahre seiner Karriere

 

Shawn Michaels über die verlorenen Jahre seiner Karriere

Shawn Michaels befindet sich in seltener Gesellschaft. Wir sahen, wie er gegen den „Macho Man“ Randy Savage und Jeff Hardy antrat und Yokozuna und Goldberg die Sweet Chin Music verpasste. Seine WWE-Fall-of-Fame-Karriere erstreckte sich über drei Jahrzehnte. Doch dazwischen liegen auch vier Jahre, in denen er sich aus dem aktiven Geschehen zurückzog, um seine Suchtprobleme und eine Rückenverletzung, die ihn im Alter von 32 Jahren zu einer vorübergehenden Pause zwangen, auszukurieren. Vor der Veröffentlichung seines Buches „Wrestling for My Life: The Legend, the Reality and the Faith of a WWE Superstar“, das seit dem 10. Februar erhältlich ist, spricht HBK über die verlorenen Jahre seiner Karriere, über die erfolgreiche Bekämpfung seiner Dämonen, ob er je davorstand, zu WCW zu wechseln, und noch viel mehr.

WWE.COM: Beginnen wir bei WrestleMania XIV. Du hattest dir drei Bandscheiben im Rücken gebrochen und benötigtest dringend eine Operation. Wie bereitetest du dich körperlich auf dieses Match vor?

SHAWN MICHAELS: Im Februar bestritten wir [No Way Out], und wir arbeiteten darauf hin, dass ich diese Großveranstaltung nicht bestreiten musste. So hätte ich mehr Zeit, alles zu tun, um in bestmögliche Form zu kommen. Obwohl ich mir mit dem Unternehmen so meine Späßchen erlaubte, wollte ich unter allen Umständen bei WrestleMania sein und dafür sorgen, dass das Unternehmen mit „Stone Cold“ Steve Austin weitermachen konnte. Damals gab es einen Typen in Kalifornien, der sich auf Tiefenmassage verstand. Er besuchte mich zu Hause in Texas, und die Kombination aus dieser Art der Massage und moderner Medizin ermöglichte mir die WrestleMania-Teilnahme ließ mich dieses Match durchstehen. Natürlich war diese Auseinandersetzung ziemlich schmerzhaft. Die Mobilität in den Beinen war lange nicht so gut wie sonst.

WWE.COM:  Ein Jahr, nachdem du dich aus dem aktiven Geschehen zurückgezogen hattest, gründetest du die Shawn Michaels Wrestling Academy und die Texas Wrestling Alliance.

MICHAELS: Alles begann mit Training. Damals war der Wechsel von ständigen Reisen – im Jahr war ich über 300 Tage unterwegs – hin zum Nichtstun schwer zu bewältigen. Und ich kam damit gar nicht gut klar. Andere Jungs zu trainieren, schien die damalige Leere füllen zu können. Und um ganz ehrlich zu sein: Zuerst muss man sich der reinsten Form des Wrestling widmen, bevor Geld eine Rolle spielen kann. Während dieser Zeit erkannte ich, dass die größte Hilfe, die ich den Jungs und Mädchen zuteilwerden lassen konnte, darin bestand, ihnen echte Erfahrungen zu verschaffen. Daraus entstand die Erkenntnis: Wenn du das schaffst, warum versucht du dann nicht auch, ihnen wenigstens zu ein bisschen Fernseh-Erfahrung zu verhelfen? Anschließend organisierte ich einigen Jungs Auftritte bei der ECW und tauschte Aktive mit Tommy Dreamer und Paul Heyman aus. Außerdem brachte ich einige Jungs nach Japan, damit sie andere Stilarten beobachten konnten. Ich tat wirklich mein Bestes, um ihnen zu einem einigermaßen guten Lebenslauf zu verhelfen, damit sie ins Wrestling-Business einsteigen konnten. Auf eine seltsame Art und Weise erkannten [die Schüler], dass ich darin nicht sonderlich erfahren war und Aufgaben spontan anging. Außer dem Unterricht hatte ich keinen sonderlich gut ausgearbeiteten Business-Plan. Alles andere ergab sich einfach.

WWE.COM:  Bist du selbst je bei TWA angetreten?

MICHAELS:  Wir machten da mal was Kleines…ein Hardcore-Street-Fight-Match. Ich war auch einer der Kommentatoren und produzierte die Show. Doch ich bestritt ein Match, das ziemlich lange dauerte. Man hatte mir unmissverständlich mitgeteilt, dass ich nie wieder wrestlen könne. Sollte ich es trotzdem tun, könnte meine Gesundheit schwer in Mitleidenschaft gezogen werden. Ich war nicht bereit, mich zugrunde zu richten. Sollte ich dieses Risiko eingehen, dann nur für WWE. Doch in dieser Situation hatten wir alle das Gefühl, dass ich [körperlich] nicht [zu viel] würde tun müssen.

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Shawn Michaels über die verlorenen Jahre seiner Karriere

WWE.COM: Zwischen ’99 und ’02 warst du immer mal wieder in den WWE-TV-Sendungen zu sehen – mal als Commissioner Michaels, mal als Sonder-Gast-Ringrichter und so weiter. Wie kam es zu diesen Auftritten?

MICHAELS:  Das waren nur zufällige Auftritte – ähnlich wie heute. Damals wurde es ein bisschen früher angekündigt. Doch meistens hatte jemand in der Kreativabteilung eine Idee und glaubte, eine Rolle zu haben, die zu mir passte.

WWE.COM:  Wie würdest du deine damalige Beziehung zum Unternehmen beschreiben?

"J.R. sagte, er wisse nicht, was mir die Zukunft bringen würde"

MICHAELS:  Nicht toll, aber es gab auch nur wenig Kommunikation. Dem Unternehmen ging es prima, und ich kümmerte mich um meine eigenen Angelegenheiten.

WWE.COM:  Schautest du dir die Sendungen noch immer regelmäßig an?

MICHAELS:  Anfangs schon. Als wir aufs Land zogen, wurde mein Sohn größer und ich beschritt den ein- oder zweijährigen Weg zu meiner Errettung. Das war wichtiger, als Wrestler oder Wrestling-Fan zu sein. Ich beherrschte nicht allzu viel, doch ich war gut darin, mir keine Gedanken darum zu machen, wie es als Wrestler war.

WWE.COM:  Natürlich waren zwei deiner engsten Freunde Top-Stars in der WCW. Machte dir die WCW jemals ein Angebot?

MICHAELS: Ich stand immer bei WWE unter Vertrag. Es gab Zeiten, da endete ein Vertrag und über einen neuen war noch nicht gesprochen worden. Und ja, es gab Gespräche und Gelegenheiten [mit WCW]. Einmal setzte sich Jim Ross mit mir in Verbindung und besuchte mich in Texas. J.R. sagte, er wisse nicht, was mir die Zukunft bringen würde, doch er glaube, irgendeine Position gäbe es für Shawn Michaels [bei WWE] immer. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht ein oder zwei Jahre später. Jim glaubte immer an mich. Ich unterschrieb wieder bei WWE, ohne einen definitiven Plan zu haben. Sie holte mich einfach wieder zurück.

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WWE.COM:  In diesen vier Jahren veränderte sich dein Leben unglaublich. Was war der Auslöser, klar Schiff zu machen?

MICHAELS:  Der entscheidende Moment kam, als mein Sohn zwei Jahre alt war, ich halb betrunken auf der Couch lag, und er glaubte, ich sei müde. Da erkannte ich: „Um Himmels willen, er fängt an, es zu bemerken. Ich kann es nicht mehr vor ihm verbergen.“ Das brach mir das Herz. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass dieses unschuldige Kind von etwas, mit dem es überhaupt nichts zu tun hatte, so verkorkst wurde. Ich kam zu dem Schluss, dass sich etwas ändern musste – drastisch verändern.

WWE.COM:  Du führtest auch ein lebensveränderndes Telefonat mit Kevin Nash. Worum ging es in diesem Gespräch?

MICHAELS: Er sagte: „Du musst damit aufhören. Und wo wir schon dabei sind: Du musst dich mit Triple H aussöhnen.“ Triple H und ich hatten ein Jahr lang nicht miteinander gesprochen. Als ich das letzte Mal bei WWE war, ging es mir nicht sonderlich gut. Das war ein Jahr her. Als Nash meinte: „Du schuldest ihm eine Entschuldigung“ und nach dem Vorfall mit meinem Sohn wachte ich nachts auf und dachte: „So kann es nicht weitergehen.“ All das geschah an einem einzigen Abend. Und alles andere begann am darauf folgenden Tag. Zuerst rief ich Kevin zurück und sagte: „Du hast recht. Und gib mir Triple Hs Nummer. Ich muss ihn anrufen.“ Dann meldete ich mich bei Triple H und bat ihn, mir zu vergeben. Wie kleine Mädchen weinten wir beide am Telefon. So erweckten wir unsere Freundschaft wieder zum Leben.

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Shawn Michaels über die verlorenen Jahre seiner Karriere

WWE.COM:  Wie wusstest du, dass die Zeit gekommen war, wieder in den Ring zu steigen?

MICHAELS:  Erst im Jahr 2002 kehrte ich zu WWE zurück und engagierte mich körperlich wieder – während des Matches, in dem Kevin Nash sich den Quadrizeps riss [Raw; 8. Juni 2002]. Am darauf folgenden Morgen saß ich im Flugzeug, las in meiner Bibel und im Buch Josua. Plötzlich überkam mich das Gefühl, dass ich aus einem bestimmten Grund hier war. Gott hatte mich konstruiert, damit ich eines Tages ein Wrestler würde. Die Worte „Sei stark und mutig, denn ich bin bei dir“ sprangen mir entgegen. Da rief ich Mr. McMahon an und schlug ihm ein ähnliches Match – mit Hardcore-Regeln – gegen ihn vor. Er antwortete: „Meinst du das ernst? Glaubst du wirklich, dass du das kannst? Gib mir Zeit, darüber nachzudenken. Ich rufe dich zurück.“ Er rief auch zurück und sagte: „Wenn du das mit mir durchziehen kannst…Ich beherrsche das nicht sonderlich gut. Würdest du das eventuell mit Triple H machen?“ In meinen Augen war Triple H der Mann für die Hauptmatches. Natürlich waren wir Freunde. Doch ich sah mich nicht als jemanden, der eine Top-Rolle innehatte und gegen einen Top-Athleten antrat. Also sprach [Mr. McMahon] mit Triple H darüber.

WWE.COM:  Wie bereitetest du dich auf die Arbeit im Ring vor?

Sei nicht so zurückhaltend. Geh da rein, und trainiere.

MICHAELS: Ich trainierte und versuchte, die für meinen Rücken geeignete Arbeitsmethode zu finden. Manchmal war ich dabei einfach zu vorsichtig. Eines Tages sagte ich dann zu mir: „Du warst dein ganzes Leben lang ein Sportler. Du musst einfach wieder da reingehen, wie früher trainieren und sehen, was passiert. Du kannst Cardio und Yoga hinzufügen. Aber sei nicht so zurückhaltend. Geh da rein, und trainiere.“ Als ich das dann endlich tat, verbesserte sich mein Zustand zusehends. Je näher das Match rückte, desto eher sorgte ich mich darum, ob ich körperlich und kardiovaskulär würde durchhalten können. Man tut sein Bestes und erkennt plötzlich, dass einen nichts besser in Ringform bringt, als tatsächlich im Ring zu stehen. So dachte Triple H auch. Ich reiste sogar nach Connecticut, und wir stiegen in den Ring. Ich federte einmal in die Seile und machte zusammen mit ihm einen Sunset Flip. Dann sagte ich zu ihm: „Ich kann das nicht. Ich kann nicht in den Ring steigen  und trainieren.“ Also verabredeten wir, dass die Sachen sitzen müssten, bis wir in den Ring stiegen. Das Ergebnis war besser, als wir beide es uns je vorzustellen gewagt hätten.

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WWE.COM:  Was war beim Schreiben von „Wrestling for My Life: The Legend, the Reality and the Faith of a WWE Superstar“ am schwierigsten?

MICHAELS:  Ich beschäftige mich darin mit meinem Glauben. Gleichzeitig ist es eher eine Autobiografie meines zweiten Lebens. Ich kann nicht direkt sagen, dass es schwer [zu schreiben] war. Es gab mir die Möglichkeit, an einem Ort zu bleiben, wo es nett und angenehm war, weit entfernt von jeglicher Betriebsamkeit. Seit 2002 war [das Wrestling] ein wunderbarer Beruf. Ich genoss ihn, arbeitete hart und übte ihn gut aus. Doch zwischen 2002 und 2010 – als ich ging - bildeten meine Familie und mein Glaube einen sehr viel größeren Bestandteil meines Lebens. Es war schön, mich auf das zu konzentrieren, was mein Leben am nachhaltigsten bestimmte.

WWE.COM:  Warum muss jedes Mitglied des WWE-Universums dieses Buch gelesen haben?

MICHAELS:  Jeder Mann und jede Frau, die die Fähigkeit haben oder an einem Punkt angelangt sind, an dem sie sagen „Ich muss etwas verändern“ und keine Angst davor haben, das auch zu tun, müssen dieses Buch unbedingt lesen. Niemand ist perfekt. Kein Mensch kann nicht irgendwo etwas besser machen. 

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